Siedlungspolitik 

Als Zuwachsregion benötigt die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main eine funktionierende Versorgung mit einem der Nachfrage angepasstem Wohnraum. Es hat sich gezeigt, dass der Wohnungsmarkt versagt hat, nicht rechtzeitig auf Bedürfnisse reagiert und in erster Linie Gewinninteressen Weniger im Vordergrund standen.

Rodgau verfügt über einen ausgewogenen Bevölkerungsmix und ist geprägt von Vielfalt. Auch dies macht den Lebenswert unserer Stadt aus – und das soll so bleiben. Die Stadtentwicklungspolitik, die wir auf den Weg gebracht haben, trägt diesem Ziel der sozialen und demografischen Balance entschlossen Rechnung. Neben sinnvoller und mit Augenmaß betriebener Verdichtung und Lückenbebauung kann nur durch eine konsequente Entwicklung neuer Baugebiete im Rahmen des geltenden Flächennutzungsplans und durch eine konsequente Bodenbevorratung der steigende Wohnraumbedarf gedeckt werden. Daher haben wir begonnen, weitere Siedlungsflächen voran zu bringen. 

Ungebremster Spekulation auf ständig stark steigende Bodenpreise werden wir Einhalt gebieten. Wir werden deshalb bei der Stadtentwicklung weiter mit der Hessischen Landgesellschaft zusammenarbeiten. Wir haben damit in den vergangenen Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht: Die Grundstückspreise wurden durch die Preisvorgabe der Stadtverordnetenversammlung gedämpft, Ausgaben für Infrastruktur wurden aus den Erträgen und nicht aus Steuermitteln der Bürger und Bürgerinnen finanziert.

Flächen in Hainhausen, Weiskirchen und Jügesheim wurden bereits entwickelt oder befinden sich in der Umsetzung. Die Flächen zwischen Hainhausen und Jügesheim, in Dudenhofen das Gebiet an der Mainzer Straße hinter der Claus-von-Stauffenberg-Schule und in Nieder-Roden die Fläche zwischen Krümmlingsweg und Forschheimer See befinden sich in der Planungsphase und sollen folgen. Hier wollen wir Wohnraum für die Bürgerinnen und Bürger Rodgaus, aber auch für Neubürger schaffen. 

Wichtig bei der Entwicklung neuer Baugebiete ist uns eine städtebauliche Mischung von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Hier gilt es besonders mit der Ressource Boden sparsam umzugehen. 

Wohnraum schaffen

Die Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum gehört zu den wichtigsten Aufgaben kommunaler Daseinsvorsorge. Dies gilt besonders in Zeiten extremen Wohnraummangels für Zuwachsregionen, wie der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main.

Es soll für alle Einkommensgruppen bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Dies gilt insbesondere für Familien, aber auch für Einzelpersonen. Dabei kann dies sowohl durch Geschosswohnungsbau als auch durch die Bereitstellung von erschwinglichen Grundstücken zum Bau oder Erwerb von Einfamilienhäusern, oder Eigentumswohnungen erfolgen.  

Gleichzeitig müssen in neuen Baugebieten Flächen für öffentliche Einrichtungen wie Kinderbetreuung, Schulen, soziale Angebote wie Arztpraxen, aber auch Einkaufsmöglichkeiten entwickelt werden.

Wir werden zukünftig städtische Grundstücke, insbesondere für junge Familien, die noch über kein großes Eigenkapital verfügen und normal verdienen, im Wege der Erbpacht vergeben, hierbei aber sicherstellen, dass es nicht zu spekulativen Verkäufen kommt. Ein im Laufe der Jahre anzupassender Erbpachtzins in Höhe von derzeit 2% wird viele Familien, bei denen unter den heutigen Bedingungen eine Finanzierung an den hohen Grundstückskosten scheitert, in die Lage versetzen, Wohnungseigentum zu bilden. Neben hohen Baustandards („Nachhaltigkeit“) werden wir alternative Baumodelle („Eigenleistung“) unterstützen und begleiten.  

Ebenso werden wir die Gründung von Bauvereinen und Genossenschaften unterstützen und fördern, in denen Bürgerinnen und Bürger gemeinsam Hand in Hand Haus- und Wohnungsbau betreiben wollen.    

Wir werden, wie schon in den vergangenen Jahren, weiterhin bis zu 3 Millionen EUR pro Jahr in eigene Projekte investieren, wie zum Beispiel in Jügesheim an der Dudenhöfer Straße oder in Weiskirchen und in Hainhausen. Es soll geprüft werden, ob der städtische Wohnungsbau und die Bewirtschaftung durch die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft oder die Beteiligung an einer bestehenden Gesellschaft besser umgesetzt werden können. Die neuen Wohnungen sollen generationengerecht, familienfreundlich und bezahlbar sein.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Erwartung schnellen Fortschreitens der Digitalisierung und der raschen Veränderung, insbesondere der Büroarbeitsplätze hin zu mehr Heimarbeit, werden Folgen für die Stadtplanung haben. Fachleute prognostizieren einen starken Rückgang der Nachfrage an Büroflächen in den kommenden Jahren. Für den Wohnungsbau liegen darin aber auch Chancen, etwa der Umwandlung geeigneter Gebäude in Wohnungen. Die SPD wird sich offensiv mit diesem Thema beschäftigen und geeignete Maßnahmen erarbeiten. 

Klimagerechtes Bauen

Klimagerechtes Bauen wird zukünftig einen immer höheren Stellenwert erhalten. Es macht die Gebäude bei einer Minimierung der Energiekosten über den gesamten Lebenszyklus, wesentlich werthaltiger. 

Deshalb sollen in den neu zu erstellenden Bebauungsplänen Flächen für das Bauen mit hoher Energieeffizienz vorgesehen werden, z.B. Passivhausstandard, Nullenergiehausstandard bis zum Plusenergiehausstandard. Gleichzeitig müssen Dachbegrünung, Regenversickerung usw. vorgesehen werden. 

Stadtumbau

Wir wollen das Projekt „Stadtumbau Rodgau-Dudenhofen“ gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zu einem Erfolg führen und daraus Erkenntnisse gewinnen, die in den anderen Stadtteilen genutzt werden können.

Wir setzen uns dafür ein, dass der derzeitige Standort des Rathauses in Jügesheim für die Kernverwaltung erhalten bleibt, wir sind aber offen für eine partielle Auslagerung von Bereichen der Verwaltung zum Beispiel in das Industriegebiet Jügesheim-Ost am früheren Standort der Stadtwerke. 

Wir wollen prüfen, ob eine neue Multifunktionshalle für Veranstaltungen und Sport 

finanziert werden kann und möchten unser Stadtarchiv im Rahmen einer Bibliotheksneuordnung der Bevölkerung zugänglich machen, unter Umständen im Rahmen eines Neubaus.    

Innenverdichtung

Außerdem wollen wir eine Innenverdichtung vorantreiben, wo es sinnvoll erscheint.  Hierbei sind zur Vereinheitlichung der Bauvorhaben in den Altortslagen mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern Bebauungspläne zu entwickeln oder den heutigen Erfordernissen anzupassen, dabei soll die Geschossflächenzahl (GFZ) 0,4 nicht übersteigen.  

Stadtbegrünung

Grünflächen in der Stadt sind die Grundlage urbaner Lebensqualität. Sie sind Orte der Begegnung, der Erholung und der Integration. Sie verbessern das Klima, reinigen die Luft und sind Ressourcen für ein ökologisches Gleichgewicht. Sie üben einen positiven Einfluss auf die mentale und physische Gesundheit ihrer Bewohner aus. 

Bei allen angedachten Entwicklungsprojekten wollen wir dafür sorgen, dass in allen Stadtteilen größere zusammenhängende Grün- und Parkflächen entstehen oder erhalten bleiben. Dabei sind Freiflächen und Plätze attraktiv zu gestalten. Dies gilt insbesondere bei der Innenverdichtung, bei der der Erhalt von Grünflächen besondere Bedeutung zukommt. Zusätzlich ist in Bestandsgebieten die Möglichkeit der nachträglichen „Begrünung“ zu prüfen bzw. umzusetzen. Dies gilt besonders bei Straßen- und öffentlichen Platzsanierungen und bei Umbaumaßnahmen auf städtischen Grundstücken.  

In den neu zu entwickelnden Baugebieten sollen naturnahe Erholungsflächen zur Freizeitnutzung entstehen. 

Der naturschutzrechtliche Ausgleich bei Bebauungsplänen erfolgt weiter zu mindestens 50% im Entwicklungsgebiet und im Übrigen auf Flächen innerhalb der Stadt Rodgau.